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Rückblick auf unsere Buchpräsentation im IWK

Am 31. 3. 2016 präsentierten wir unser Buch “Ist der Patient ein Mensch?”  im Institut für Wissenschaft und Kunst:

Buchpräsentation "Ist der Patient ein Mensch?" im IWK

Wir danken Dr. Thomas Hübel und dem IWK herzlich für die Zusammenarbeit!

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„Ecce Cyborg. Der Transhumanismus als medizinphilosophisches Problem.“

Nachlese zum Vortrag von Dr. Marina Marcovich am Dienstag, den 8.3.2016

Dass sie nicht glaube, dass der Transhumanimus erst kommen werde, sondern dass er längst schon da sei – mit diesem Statement begann Marina Marcovich ihren informationsreichen und kurzweiligen Vortrag.

Nur falle uns das halt nicht so auf, weil nicht klar sei, wo die Grenze hin zum Cyborg – also zum Mensch-Maschinen-Hybriden – verlaufe: Brillen und Zahnspangen sind für uns zur Normalität geworden; vielleicht trifft das bald auch auf den Chip im Handgelenk, der Bürotüren öffne, zu oder auf einen Datenspeicherchip im Kopf.

Der Begriff „Cyborg“ stammt von CLYNES & KLINE und meint „CYBERNETIC ORGANISM“ („Kybernetik“ ist die Steuerungstechnik.)

Wir könnten bereits menschliche Spermien züchten, Menschen aus der DNA mehrerer Menschen erzeugen, Embryos klonen und sie in künstlichen Gebärmuttern wachsen lassen, mit Genetic Engineering ins Erbgut eingreifen … und trotzdem sei das Thema in der Öffentlichkeit und in der politischen Diskussion noch nicht angekommen, so Marcovich.

Marcovich berichtete von Julian HUXLEY (1887-1975), von dem der Begriff „Transhumanismus“ stammt und der damit die Selbstüberschreitung (Transzenzierung) der menschlichen Spezies bezeichnete. Sowie von der Singularity University, die das Thema beforscht und die von der NASA und von Alphabet (Google) finanziert wird.

Von den bekannten Vertretern des Transhumanismus Ray KURZWEIL, seines Zeichens „Director of Engineering“ bei Google, und dem gebürtigen Österreicher Hans MORAVEC. Außerdem von Hugh HERR (Center for Human Augmentation), der als Jugendlicher seine Beine verlor und heute seine Prothesen als zum Klettern viel besser geeignet findet als menschliche Beine.

Nicht behinderte Läufer wehrten sich gegen die Teilnahme von Oscar PISTORIUS an ihren Wettrennen, weil sie in seinen Laufprothesen einen ungerechtfertigten Vorteil sahen.

Die Transhumanisten gingen davon aus, dass die Menschheit in wenigen Jahrzehnten von Mensch-Maschinen-Hybride (Cyborgs) abgelöst werde.

Lee SILVER (Professor of Genetics, Princeton University) habe vorausgesagt, dass es in Zukunft zwei Arten von Menschen geben werde: die „GenRich“ (=das sind aus genetisch manipuliertem bzw. angereichertem Genmaterial gezüchtete Menschen) und die Naturals. Die GenRich (ca. 10% der Bevölkerung) würden sich so weit von den Naturals entfernen, dass sie miteinander keine Kinder mehr bekommen können.

Auch der Trend, sich selbst zu vermessen, „QUANTIFIED SELF“ – sichtbar etwa an Hobbyjoggern, die mit allerlei Gerät am Leib sowie mit Computeruhren laufen, seien im Zusammenhang mit dem Transhumanismus zu sehen, so Marcovich.

Die intellektuellen Gegenspieler der Transhumanisten seien die sog. „BIOKONSERVATIVEN“ – Bekannte Vertreter dieser Gruppe sind Jürgen HABERMAS und Gernot BÖHME

Marina Marcovich schloss ihre Ausführungen mit dem Geständnis, dass sie sich selbst zu den Biokonservativen zähle – und dass ihre Motivation, sich mit dem Thema Transhumanismus zu befassen, aus der Überlegung komme, dass es besser sei, sich bewusst zu machen, was denn das ist, das da auf uns zukommt – wenn es auch unausweichlich sei.

Bericht vom philosophisch-medizinischen Abend: “Lilly Damm: Wie man mit Kindern und Jugendlichen ehrlich über Krankheit spricht”

Der Abend war mit 27 TeilnehmerInnen sehr gut besucht. Dr. Lilly Damm gestaltete ihn lebendig und kommunikativ, indem sie zwei Filmsequenzen zeigte, über welche die TeilnehmerInnen im Anschluss sprechen konnten. Der erste Filmausschnitt zeigte eine Krankenschwester beim Wickeln eines Kleinkinds und diente zur Veranschaulichung der Bedeutung des sog. “Online Commentary” (eines die Handlung kommentierenden Sprechens während einer ärztlichen Behandlung). In der zweiten Filmsequenz musste ein Bub, der sich beim Fahrradfahren verletzt hatte und sich sehr vor dem Krankenhaus fürchtete, stationär aufgenommen werden.

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Die TeilnehmerInnen erhielten Kärtchen, die mit verschiedenen Themen (wie “Stimme” oder “Gesprächseröffnung”) und jeweils mehreren Fragen zum Thema versehen waren und wurden von Dr. Damm eingeladen, die  zweite Filmsequenz mit dieser “Brille” zu betrachten. Im Anschluss kommentierten die TeilnehmerInnen anhand ihrer “Brillen”, was ihnen im Filmausschnitt aufgefallen war – und brachten sich dabei sehr lebhaft ein, sodass die Veranstaltung eine eigene Dynamik gewann.

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Für die Gesellschaft für Philosophie und Medizin war die Veranstaltung auch inhaltlich interessant, weil sich die Frage aufdrängt: Worin besteht das Philosophische einer philosophischen Auseinandersetzung mit einem medizinischen Thema oder eines medizin-philosophischen Abends?

Dr. Helmut Hofbauer schlug vor, das Philosophische darin zu sehen, dass die Suche nach einer persönlichen Haltung gegenüber Techniken und Methoden hervorgehoben und die lebendige Auseinandersetzung mit dem Thema über die bloße Wissensvermittlung gestellt wurde.

Dazu passt ein Absatz aus Lilly Damms et al. Buch Ärztliche Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen, LIT Verlag, Wien 2014, der offenbar im selben Geist verfasst ist: “Wir sind davon überzeugt, dass Kindern und Jugendlichen gegenüber die persönliche Haltung der zentrale Dreh- und Angelpunkt ist, mehr als Techniken, Methoden und Gesetze. Unser Fokus in diesem Buch liegt daher in der Auseinandersetzung mit Grundlagen (z.B. entwicklungspsychologische Aspekte) sowie Grundhaltungen (z.B. bio-psychosoziale-Wahrnehmung).” (S. 12)

Wir  bedanken uns herzlich bei den TeilnehmerInnen fürs rege Mittun und beim Verein PhiloMedia, der für die Technik und eine angenehme Atmosphäre in seinem schönen Clubraum sorgte!